LERNTHEORIE- Langweilig oder Leitfaden für Deinen Alltag Teil 2

LERNTHEORIE- Langweilig oder Leitfaden für Deinen Alltag Teil 2

Teil 2: Fehler und unerwünschtes Verhalten

Hast du im ersten Blogartikel der Reihe die 2 Geschichten von Frau Müller und ihrem Bello gelesen?
Wir haben positive Verstärkung und Lob unter die Lupe genommen und schon einiges wichtiges für deine alltägliche Praxis herausgefunden.

Diesmal behandeln wir Fehler und unerwünschtes Verhalten, – ein wahrhaft heißes Eisen und eine Zerreißprobe für viele Mensch-Hund-Teams. Damit du zukünftig besser gerüstet mit deinem Hund leben und trainieren kannst trennen wir nun unerwünschtes Verhalten von Fehlern. Ganz im Sinne einer Weiterführung des ersten Teiles.

Was also ist unerwünschtes Verhalten und was sind Fehler?

Kehren wir zurück zu Frau Müller und ihrem Bello: Auf besagtem Spaziergang kann die Situation ja auch ganz anders ablaufen, passe wieder auf und erkenne den Unterschied:

Geschichte 1:

Frau Müller geht mit ihrem Bello spazieren. An der nächsten Kreuzung läuft Bello schnurstracks weiter, obwohl das Gelände nicht einsehbar ist und er nicht weiß wohin es weiter geht…

Geschichte 2:

Frau Müller geht mit ihrem Bello spazieren. An der nächsten Kreuzung ist das Gelände nicht einsehbar und sie ruft Bello deshalb ins „Warte“. Bello ist das egal und er läuft weiter und schnurstracks weiter…

Und hast du es bemerkt?
Was unterscheidet die Geschichten?

Beide Male läuft Bello ja ohne Kontaktaufnahme einfach in die Kreuzung rein…
Genau, in der ersten Geschichte gab es kein Kommando das Bello missachtet hat, in der zweiten hat er das „Warte“ ignoriert.

Bellos Verhalten war beide Male gefährdend und nicht im Sinne von Frau Müller. Gehen wir die Beiden Geschichten nochmal durch und arbeiten wir dir deinen persönlichen Bezug heraus:
In der ersten Geschichte handelt es sich definitiv um unerwünschtes Verhalten, zumindest in den Augen von Frau Müller. Bello weiß das nicht, bis er es „erklärt“ bekommt, er läuft einfach Gassi und entdeckt die Welt „wide wide wie sie ihm gefällt“…
Kannst du hier also von einem Fehler sprechen?
Unerwünscht ja, – Fehler wohl eher nicht, das setzt voraus, dass er korrektes Verhalten kennt und nicht zeigt.

Damit sind wir bei Geschichte 2: hier missachtet Bello das Kommando, dass ihm zum gewünschten Verhalten auffordert. Gehen wir davon aus, dass Bello gelernt hat, was „Warte“ für ihn bedeutet und das Kommando beherrscht. An dieser Kreuzung hat er es nicht befolgt, warum auch immer. Das ist ein Fehler, denn er weiß was richtig ist bzw. gewesen wäre.

Was heißt das für dich? Was sind die Folgen aus diesen Erkenntnissen?

Rechne immer und überall mit unerwünschtem Verhalten und bereite dich vor SOFORT und beim ERSTEN AUFTRETEN eine Erklärung für deinen Hund parat zu haben. Dazu musst du wissen was du willst und solltest nicht lange überlegen.

Unerwünschtes Verhalten tritt ungeplant und „unberechenbar“ auf, je nach Situation. Der Alltag ist tückisch und hält immer wieder neue Überraschungen bereit. Werde vorausschauender, strategischer und berechnender, du willst schließlich immer weniger überrumpelt werden.
Überlege, wie du unerwünschtes Verhalten provozieren und somit kontrollieren kannst. Verändere die Vorzeichen und mache aus Überrumpelung eine geplante Übung.
Mit Fehlern rechnet man schon eher, je nach Typ, – für manche ist ja sogar ein leeres Glas noch halbvoll 😉 so ein Optimismus bringt uns im Umgang mit Hunden leider nicht weiter. Dein Hund will nämlich deine Kompetenz im Umgang mit unerwünschtem Verhalten und Fehlern erleben, nicht weil er so dominant ist, sondern um einzuschätzen wie sicher er sich mit dir sein kann:

  • Stehst du zu deinem Wort?
  • Hast du ein gutes Krisenmanagement?
  • Weißt du was du willst?
  • Kannst du führen und Entscheidungen treffen, die zum Funktionieren des Rudels beitragen?

Für die Realität des Alltags ist es deinem Hund vermutlich wichtiger eine gute Fehlermeldung zu bekommen als Leckerchen. Belohnungen sind optional für Hunde, ein Zugewinn ja, aber sie geben keine Struktur vor und sie klären keine Zuständigkeiten. Das jedoch passiert im Umgang mit Fehlern bzw. unerwünschtem Verhalten.

Eine weise Frau hat mal gesagt: „Erst im souveränen Umgang mit Fehlverhalten vollendet sich eine alltagstaugliche Hundeerziehung“
Da ist was dran meinst du nicht?

 

Ungesagte Gesetze schaffen:

Nie in eine Kreuzung reinlaufen!
Dein Bello läuft einfach in die Kreuzung, du entscheidest blitzschnell, dass du das nicht willst und handelst:
Du rennst empört und mit Energie direkt auf Bello zu und rufst „Nein!“. Du nutzt demnach die raumverwaltenden Kommunikation, die dein Hund versteht (lobendes Raum schenken / ermahnendes Raum nehmen). Bello wendet sich dir zu, vielleicht ein bisschen verdaddert, damit hat er nicht gerechnet. Doch nun zeigt er gewünschtes Verhalten, er hat Kontakt mit dir aufgenommen und auf deine Erklärung reagiert: weswegen du innehältst und dich wieder entspannst (gerade nochmal gut gegangen, du kannst ja nicht sehen was hinter der Kreuzung los ist, du musstest schnell etwas tun!). Diese Erklärung erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass er das nächste Mal von alleine wartet und Rücksprache hält.

  • Huih damit hast du ja eine Situation für POSITIVE VERSTÄRKUNG geschaffen 😊

Und du hast deinen Job, deinem Hund die Welt zu erklären und deine Umwelt zu sichern, gut gemacht. Du brauchst kein Kommando einführen, wenn du – ohne Ausnahme – bei jeder Kreuzung so Feedback gibst: Verstärken, wenn er hält – handeln wenn er einfach zuläuft. Dein Hund wird bald Kreuzungen erkennen und zeigen, was du erwartest. Er passt sein Verhalten an dein Feedback/deine Vorgaben an.
Das tun Hunde IMMER!

Hunde untereinander verwenden auch keine Kommandos, aber sie verhalten sich gleichbleibend konsequent, so wie du an JEDER Kreuzung nun.

Dass, was du in dieser Gestaltungsvariante tust, nennt man NEGATIVE VERSTÄRKUNG. Es ist das Gegenteil von positiver Verstärkung. Du sorgst durch dein Eingreifen dafür, dass der Hund das unerwünschte Verhalten immer weniger bis nicht mehr zeigt. Wenn du schon Erfahrung gesammelt hast im erkennen und verstärken von Ansatzverhalten dann übertrage dein KnowHow:

  • Du willst nicht, dass er hochspringt? – Handle wenn er sein Gewicht verlagert.
  • Du willst nicht, dass er an der Leine zieht? – Handle bei der ersten kleine Straffung…

Wenn du Kommandos für bestimmte Situationen einstudieren willst, brauchst du für die Trainingsphase immer eine (Übergangs-)Lösung/Strategie, in unserem Fall für die Kreuzungen. Du kannst z.B. eine Schleppleine verwenden, sie hilft dir richtig angewendet bis dein Kommando sitzt, abruf- und einsetzbar ist.

Wie gehst du dann aber mit Fehlern, also dem nicht Befolgen um?
Du weißt ja, dass das Können keine Garantie für eine Ausführung ist.

Das wichtigste für einen Plan B ist, dass er funktioniert!
Der Plan B findet immer da Verwendung, wo das ursprüngliche Kommando nicht funktioniert bzw. vom Hund nicht umgesetzt oder angenommen wird. Der Plan B muss den Fehler verwandeln können in wieder richtig und ursprünglich Gewünschtes.
Der Plan B ist das Ideal einer Korrektur: schnell, also gutes Timing, auf den Punkt, also mit dem richtigen Bezug und der passenden Dosis und ABSOLUT WICHTIG mit der situativ korrekten körpersprachlichen Erklärung, die den Hund schließlich das richtige Verhalten zeigen lässt. Die ideale Korrektur beinhaltet IMMER die Lösung des Fehlers und damit ein Happy End 😊.

Kein Happy End ist:

  • Ein Abbruch
  • Aufgeben
  • das Kommando nochmal sagen aber lauter und schließlich brüllen
  • Es einfach gut sein lassen beinhaltet auch keine Lösung…

…Im Gegenteil, wenn du dich bei hier aufgezähltem erwischst, dann solltest du dir Gedanken machen über deine Glaub- und Vertrauenswürdigkeit in den Augen deines Hundes. Kann er wirklich auf dich und dein Wort zählen?

Bestimmt distanzierst du dich von Strafen. Wir uns auch!
Strafen führen zu keiner Lösung, sie hemmen deinen Hund und verschüchtern ihn. Strafen sind unangenehme (Schmerz-) Reize, deren einziger Sinn darin besteht ein unerwünschtes Verhalten/Fehler zu negieren. Strafen haben kein Happy-End, das heißt, sie werden nicht im Positiven aufgelöst bzw. münden nicht in erwünschtem Verhalten. Der Hund bleibt seinen schlechten Gefühlen überlassen.

Strafe und Korrektur liegen eng beieinander, in Timing und Dosis können sie sogar gleich sein, – achte also sorgfältig darauf deinen Idealen treu zu bleiben und sorge immer für ein Verstehen und eine Lösung!

In der Weiterführung der Reihe bekommst du systematisch aufbauend immer mehr Informationen, auch zum Umgang mit Fehlern.
Freu dich also auf die Fortsetzung und gehe die bisher gestellten Aufgaben eifrig durch…

 

Schreibe einen Kommentar